Im nachhinein sind noch zu dem enormen Schock,
den wir alle erlitten, als wir erfahren mussten, dass Joanna nicht mehr lebt,
noch so unglaubliche Sachen geschehen, die unseres Erachtens nicht hätten
passieren dürfen!!!!
I.
Polizei
Nicole hat, als sie Joanna morgens gg.
8.30-9.00 Uhr fand, die Polizei und Krankenwagen angerufen, die auch recht
schnell und zahlreich erschienen. Sie versuchte in der ganzen Aufregung meine
Tochter Madeleine zu erreichen, die das Telefon aber nicht hörte, dann nahmen
die Sanitäter ihr das Handy weg, sie konnte mich nicht mehr anrufen.
Es muss bei Joanna in der Wohnung ein
heilloses Durcheinander gewesen sein, zumal Joannas Hund noch über ihr stand um
sie zu beschützen.
Niemand von den ganzen Anwesenden kam auf die
Idee mich als ihre Mutter anzurufen, ich wohne zu Fuss 7-8 Minuten von meiner
Tochter entfernt.
..ich wäre barfuss hingelaufen, aber es kam
kein Anruf, es kam niemand vorbei um mich zu informieren, geschweige denn
abzuholen, um Joanna zu sehen.
...als ich im Sommer meiner Tochter beim Umzug
half und die Oberteile ihrer Küche in die neue Wohnung fuhr, bin ich bei *fast*
rot mit 5 Stundenkilometer über die Ampel getuckert. Leider war ich durch
die Sonne geblendet und leider war direkt die Polizei hinter mir, innerhalb von
2 Sekunden wussten sie alles von mir und in dem *Fall* kommt niemand auf die
Idee mir Bescheid zu sagen?!!!...unglaublich!!!
Sie kümmerten sich zwar Gott sei Dank um
Nicole, die völlig unter Schock stand und brachten sie ins Krankenhaus, aber
niemand von uns erfuhr etwas. Ich weiss bis heute nicht genau, wie lange sich
die Leute überhaupt dort aufhielten.
Ich war alleine zu Hause, bin gg. 9 Uhr
aufgestanden, habe mich fertig gemacht, weil ich mittags zu meiner Freundin
kommen sollte, um ihr bei ihrer Weihnachtsfeier zu helfen.
Um 12 Uhr hörte ich mir noch Joannas Lied an,
das sie 2 Tage vorher bei Myspace hochgeladen hatte, ohne zu wissen, dass mein
Kind nicht mehr am Leben ist..2 x habe ich es mir angehört, ich fand es super
-so wie Joanna es schon vermutet hatte- und wollte es ihr sagen, aber das Handy
war aus!
Dann bin ich danach 2 x zu Madeleine gefahren
und immer an Joannas Strasse vorbei, ich darf da nicht weiter drüber nachdenken,
um dann gg. 13.30 Uhr zu meiner Freundin zu fahren.
Um 14 Uhr schellten 2 zivile Polizisten, eine
weibliche Polizistin war auch dabei, bei uns
an, Laureen war zu Hause und lernte für ihre mündliche Prüfung am 15.12.2008,
stellten sich vor, dass sie von der Kripo sind und sagten:
*..wo ist denn Bettina Werner?*
Laureen meinte:
*..sie ist unterwegs*
Dann wollten sie wissen, wer sie denn ist und
sie meinte:
*..ich bin Laureen Werner, die Tochter von
Bettina Werner..*
Sie fragten, ob sie mal
reinkommen dürften .. traten einen Schritt ins Esszimmer um dann zu sagen:
*..kennen Sie Joanna
Werner?*
Laureen fragte:
*..ja, das ist meine
Schwester, wieso?!*
Daraufhin sagte einer von
den Beiden:
*..sie ist heute Nacht
gestorben!*
Fertig!!!!!
Das ist einfach
ungeheuerlich! Eine solche krasse Nachricht so unsensibel rauszuhauen, das ist
einfach unmenschlich!
Meine Tochter brach auf dem
Boden zusammen und schrie nur, dann versuchten sie sie aufzurichten, was
nicht möglich war, da Laureen völlig am Ende war!
Irgendwann schrie Laureen,
was denn passiert sei, kann sich aber nicht mehr erinnern, was bzw. ob sie dazu
überhaupt etwas gesagt haben.
Nach ein paar Minuten
fragten sie, ob jemand in der Nähe sei, der kommen könnte und riefen Patrick,
ihren Freund an, der gleich um die Ecke wohnt, dann gingen sie wieder!
Der ganze Spuk dauerte ca.
15-20 Minuten, hatten aber noch eine Telefonnummer
hinterlassen und gesagt:
*..rufen Sie Ihre Mutter
besser nicht an, sonst passiert noch etwas!*
..na toll, das ist ja wohl
selbstverständlich, selbst in der Situation in der Laureen sich gerade befand.
Übrigens hat es über *5*
Stunden gedauert, bis sich jemand bequemt hat mich bzw. uns zu informieren!
Zu dem Zeitpunkt sprach es
sich schon in Castrop rum und ich war noch einkaufen, nicht auszudenken, wenn
mich jemand drauf angesprochen hätte, was gut hätte passieren können! Meine
Kinder waren ja Gott sei Dank zu Hause!
Es war dann, als ich es
durch meine Familie erfahren habe, sage und schreibe 15.45 Uhr, 7 Stunden
später!!!
..und das, obwohl ich 300 m
von Joanna entfernt wohne!
..unglaublich finde ich das!
Komisch, im Fernsehen sieht
man solche speziellen Situationen anders und man hört es auch anders!
Es war übrigens die *Dame*,
mit der ich einige Zeit später telefonierte und die dann langsam ärgerlich
wurde, dass ich zu *blöd* war zu kapieren, dass meine Tochter nicht mehr lebt
und ich auch noch ständig gefragt hatte, wo ich sie sehen kann!! Welch eine
Frechheit von mir!!!
..und das alles auf einem
Samstag, da kann man schon mal zickig werden ..ich sehe es ja jetzt auch ein,
wie konnte ich nur...:o(
II.
Beerdigungsinstitut
Schumacher, Dortmund
Montag, am 15.12.2008 musste
ich mich an das Amt wenden, da ich nicht in der Lage bin, eine Beerdigung zu
finanzieren und Joanna hat eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht und der Kurs
wurde vom Arbeitsamt bezahlt!
Ich sollte ein Institut
aussuchen, wir haben einfach nur ins Telefonbuch geschaut, der 1. ging nicht
dran und das nächste Beerdigungsinstitut war die Firma Schumacher.
Da nahm ich doch tatsächlich
an, vertrauensseelig wie ich bin, dass gerade so ein Unternehmen seriös
ist... tja, das war der Anfang vom Ende.. im nachhinein gab es niemanden, der
nicht mit dem Kopf geschüttelt hat!
..unglaublich..
Die junge Frau die erschien
war sehr nett und bot uns an, den Sarg, der Joanna zustand, durch einen teureren
zu ersetzen, in Anbetracht der gegebenen Umstände, dass sie auch noch so jung
war und so weiter, das war wirklich ein feiner Zug von ihr!
Danke an dieser Stelle!
Ich wollte, dass Joanna
komplett mit ihren Sachen bekleidet wurde, die sie gerne trug und ich bat darum,
dass sie ihr auch Schuhe anziehen und dass sie geschminkt wird, so wie sie es
immer gemacht hat. Obwohl ich ein Bild ausgedruckt hatte, klappte es mit den
Augenbrauen doch nicht, das war zwar sehr speziell bei ihr, aber wir haben es
ihr genau erklärt, dass die Augenbrauen mit Eyeliner nachgezogen werden. Darauf
legte Joanna immer sehr viel Wert und es war uns so wichtig! Sie wollte es
persönlich machen, aber naja...
Ich habe alles
eingepackt, sogar Make-up und ihr Parfüm. Ein Kopfkissen mit einem rosa Bezug
habe ich gekauft, bloss nichts steifes, plüschiges! ...mein Kind soll doch gut
gebettet schlafen...und auch jetzt noch schön aussehen...
Das war am Montag, Dienstag
sollte Joanna von der Gerichtsmedizin *nach Hause* kommen..es passierte nichts.
Mittwoch bekamen wir einen Anruf, dass der Haustürschlüssel da ist und es kam
jemand vom Beerdigungsinstitut und brachte ihn. Wir sind direkt alle, alle waren
Konstantin, Madeleine, Laureen und Gaby, die uns die ganze Zeit über zur Seite
stand und die Frau meines Cousins Thomas ist, in die versiegelte Wohnung von
Joanna gefahren. Mein Herz schlug wie verrückt, als wir dort eintraten, der PC
lief noch, das letzte ICQ-Fenster und das vom MSN war noch auf und um 5.05 Uhr
war sie das letzte Mal in *mein Castrop*. Dann fing ich an zu suchen und alle
mit, nach Unterwäsche, Shirt und nach ihrer pinkfarbenden Lederjacke, die ich
ihr im Sommer bei Frankies-Moden gekauft habe.
Ich weiss noch ganz genau,
als ich Joanna anrief und sagte:
*Joanna, hier hängt eine
voll geile, pinke Lederjacke, es ist die einzige Jacke und sie wartet auf Dich!*
Sie meinte:
*..meinste Mo?..ob die mir
überhaupt passt?*
*Na klar, die passt Dir und
Du wirst toll darin aussehen, glaube mir, das ist *Deine*!!!!
..und es war ihre, sie sah
einfach toll darin aus ...ja, selbst jetzt noch...
Wir haben dann noch von
ihrer Wohnung aus wieder das Institut angerufen, dass die Sachen wieder schnell
abgeholt werden sollten, damit wir endlich Joanna sehen durften...
Es war Mittwoch, Freitag
habe ich meine Tochter das letzte Mal gesehen, Samstag ist sie gestorben,
Freitag sollte sie morgens um 9.00 Uhr beerdigt werden und ich bzw. wir alle
hatten sie noch nicht mal sehen können...meine Nerven lagen blank, komplett
blank..
Da geht endlich um 15.12 Uhr
das Telefon.
*Frau Werner, Ihre Tochter
ist jetzt auf dem Waldfriedhof angekommen!*
Ich sagte:
*Endlich!!!!!*
Dann kam es:
*Frau Werner, Sie können ja
dann Ihre Tochter morgen früh ab 8.00 Uhr sehen!*
Ich dachte ich höre nicht
richtig..ich denke so, was erzählt die überhaupt für eine Sch*****??!!!
Ich sagte:
*Das ist jetzt nicht Ihr
Ernst? Das ertrage ich nicht mehr, keine Stunde mehr, ich will jetzt verdammt
endlich mein Kind sehen, sonst flippe ich aus!!!!!*
*...aber Frau Werner, das
geht jetzt aber nicht, der Friedhof hat jetzt geschlossen!*
Daraufhin bin ich
ausgeflippt, aber wie, die Kinder konnten sich nicht erinnern mich jemals so
schreien gehört zu haben:
*Mir ist es total egal, wie
Sie es anstellen, aber ich will da sofort hin und wenn ich die Tür aufbreche.
Wissen Sie überhaupt annähernd was Sie uns da zumuten, ich habe nur noch auf
diesen Tag hin meine Nerven zusammengehalten und dann sagen Sie mir so etwas??!*
*Frau Werner, was soll ich
denn jetzt machen, ich habe doch keine Privatnummern und bla, bla, bla...!*
Ich war am ganzen Körper am
zittern und habe rumgebrüllt, die Kinder dachten ich bekomme jeden Moment einen
Herzanfall, dann nahm Laureen den Hörer und wollte etwas sagen, da habe ich
aufgelegt! Die Mädchen laut am weinen und als ich in die Küche ging sass da
Charleen, ausgerechnet jetzt bekam sie das alles mit, sie schaute ganz verstört
und ich nahm sie in den Arm. Da hörte ich wie mein Handy schellte, Gaby ging
dran, ich hörte nur, nein und das Beerdigungsinstitut hat angerufen, ..und es
geht nicht...dann
*..waaaaaas???!!!*...und
*..wir kommen!!!*..
Sie rief ganz laut, los,
alle raus, Tante Sabine hat angerufen, sie gerade auf dem Friedhof, die Tür ist
auf!
Also was dann kam, war
unglaublich!
Wir alle, samt Hund aus dem
Haus, in die Autos und los. Der Friedhof ist mobil in 2-3 Minuten zu erreichen.
Ich kann mich noch erinnern,
dass ich die Tür aufriss und losrannte, als ich durch den Eingang rannte, sah
ich links ein paar Leute gehen oder stehen, es waren meine *Leute*, Tanten,
Onkel und
meine Sabine, ich habe sie nicht *erkannt*..bog direkt rechts ab und jemand
rief:
*Bettina, Du musst geradeaus
zur Halle!*
Da bin ich zurück und rannte
los, aber wie, Konstantin wurde von Sabine oder Gaby hinterhergeschickt um mich
aufzuhalten, aber ich zog den grossen Kerl hinter mir her, es gab kein halten.
Gaby lief mit den Kindern
hinterher und sie kamen kaum mit, als ich die Tür aufbekam, wollte mich
irgendwer in den Arm nehmen, aber ich sagte nur, dass ich jetzt unbedingt zu
Joanna muss und lief weiter. Jemand rief, dass es Tür *4* wäre und ich stand
davor!
Mittlerweile waren die
Mädchen auch da, wir standen vor der Tür, ein Fenster von ca. 40x60 cm und
es war ein kleiner Vorhang davor und rechts ein Lichtschalter.
Wir starrten auf den
Vorhang, ich machte das Licht innen an und zog klopfenden Herzens ganz
vorsichtig den Vorhang zur Seite, ganz langsam, dann sah ich Joannas linken Arm
und machte den Vorhang ganz auf...
...was dann geschah, war so
schrecklich..wir haben alle geschrieen, sie konnten uns bis zum Eingang des
Friedhofs hören...Laureen rutschte an der Tür runter, ich trat noch auf sie,
Madeleine zitterte am ganzen Körper, als ob sie in Strom gefasst hatte, ich
wusste nicht wie ich sie halten sollte, ich schrie immer, Konstantin hielt sich
den Kopf und schwankte immer hin und her...dann wollte ich Laureen hochheben,
ich schaffte es nicht...gab Gaby mein Handy und rief:
*..rufe bitte Sabine an, ich
brauche sie hier, das schaffen wir nicht..!!*
..wir haben vor diese
elendige Scheibe getrommelt, wo Joanna lag, mein Kind lag in einem Sarg,
unvorstellbar schrecklich....ich wollte es die ganze Zeit nicht wahr haben und
dann dachte ich, ich werde verrückt...
..sehe wie meine anderen
Kinder um mich herum zusammenbrechen...ich kann es nicht in Worte fassen...
...in dem ganzen Tumult sehe
ich aus den Augenwinkeln Charleen ca. 3 m seitlich stehen, wie sie hin und her
schaukelt, sich die Augen und Ohren zu hält und immer was sagt..
..bin zu ihr hin und höre,
wie sie immer sagt:
*..sie sollen aufhören so zu
schreien, sie sollen aufhören so zu schreien..!!!*
*Charleen, das können sie
jetzt nicht, sie sind so traurig!!!!*
Ich streichelte sie immer
und sagte dann zu ihr:
*..komm, wir gehen jetzt zu
Joanna, komm..*
Sie wollte partout nicht,
ich zog sie vorsichtig hinter mir her, weil ich genau wusste warum sie nicht
wollte. Es war erst totale Stille, bis ich den Vorhang aufzog, da wurde es
unvorstellbar laut. Sie konnte nichts sehen und dachte, ihre Geschwister
schreien so sehr, weil Joanna ganz furchtbar aussieht und nicht, dass es der
immense Schmerz war der zum Ausdruck kam..
Es war ja auch Zufall, dass
sie überhaupt da war, sie wollte wohl gerne Abschied von Joanna nehmen, ich
sagte ihr vorher allerdings, dass erst wir gucken gehen und ich danach
entscheide was geschieht. Durch das ganze Durcheinander war sie dann doch dabei.
Habe ganz ruhig auf sie
eingeredet und irgendwann standen wir vor der Tür und ich sagte ihr:
*Charleenchen, Du kannst
Deine Schwester wirklich anschauen, vertraue mir, sie sieht aus wie ein Engel..*
Heute noch sehe ich ihr
kleines Gesicht, wie sie die Finger in die Augen drückte, ich hob sie ein wenig
an und dann lockerte sie die Hände und ich konnte sehen, wie sie ganz langsam
entspannte und sagte:
*Joanna, Du siehst wirklich
aus wie ein Engel. Mami, du hattest Recht!*
Mein Gott, was tat mir das
leid, aber hätte ich es nicht so gemacht, wäre die Kleine ihres Lebens überhaupt
nicht mehr froh geworden, das wäre noch eine zusätzliche grosse Belastung
geworden, noch zu dem ganzen Elend.
Das nur, weil ich
ausgerechnet so ein inkompetentes Beerdigungsinstitut ausgewählt habe, die nicht
mal die Öffnungszeiten wussten!
Gaby nahm sich ihrer an und
ging mit ihr raus, mittlerweile war Sabine zurück und wir bekamen Laureen hoch,
setzten sie auf die Bank, wo sie sich anschliessend erbrach, Konstantin drückte
ich Madeleine in den Arm und ich stand vor der Scheibe und schrie nach Joanna...
...sie lag da, wie ein
Engel, als ob sie schlief, so hübsch, mit der pinken Lederjacke, dem schwarzen
Kapuzenshirt mit pinken, kleinem Muster, ihr Piercing in der Unterlippe,
geschminkt und die Hände mit den frisch gemachten Fingernägeln in pink
gefalten..sie lag da einfach und ich wäre auf der Stelle gestorben, damit sie
aufstehen kann und mit ihren Geschwistern nach Hause gehen kann...aber ich
konnte nichts machen..
..ich dachte ich gehe
kaputt, habe die Kinder hinter mir schreien und wimmern hören und habe mit Gott
gehadert, warum er mir mein Kind, meinen Kindern ihre Schwester genommen, warum
hat er nicht aufgepasst auf Joanna?...warum hat er zugelassen, dass ihr Herz
aufgehört hat zu schlagen?..einfach so?....warum müssen meine Kinder, meine
Eltern, Sabine, Gaby und alle anderen so sehr leiden, warum???!!!!...
Irgendwann mussten wir
wirklich da raus, es war schon 16 Uhr durch, daran kann ich mich kaum noch
erinnern, nur dass ich sagte:
*..jetzt gehen wir doch ohne
Joanna nach Hause..!*
..und da kam Charleen auf
mich zu, drückte auf meine Brust und meinte:
*..aber Mami, Joanna ist
doch da, ganz tief in Deinem Herzen!*
Mein Gott, die kleine
Maus...
Gegen 17 Uhr rief das
Institut nochmals an und sagte, dass sie mir ab 18.15 Uhr die Tür auf machen,
damit ich zu Joanna rein könnte, das war mein grösster Wunsch! Habe meine Eltern
darüber informiert, damit auch sie Abschied nehmen konnten, weil meine Mutti 3
Tage vorher ihre ambulante Reha anfing und erst spät zurück war!
Konstantin und Madeleine
wollten nicht mehr mit, Laureen begleitete mich, ebenfalls Sabine, Gaby und
Celina!
Wir haben Engel eingepackt
und etwas draufgeschrieben, damit Joanna nicht alleine ist. Ich bin dann mit
meiner kleinen Tüte rein zu ihr ganz langsam, dann stand ich neben ihr und habe
ihre Hand gestreichelt, ganz vorsichtig, sie war ganz kalt, wie immer.. ich habe
sie geküsst, dann ihr Gesicht gestreichelt und habe neben ihr gekniet und meinen
Kopf auf ihren Arm gelegt und ich konnte und kann es bis heute nicht verstehen,
was los ist..
..habe ihre Haare
gestreichelt, so weich waren sie, habe den kleinen Reissverschluss zugemacht,
die Rose von Mutti unter ihre Hände geschoben, damit ihre schönen, schlanken
Hände zu sehen sind..sie geküsst und das Parfüm von *Christina Aguilera*
gerochen..habe mit ihr geredet und ihr erzählt was ich mitgebracht habe und sie
gebeten aufzustehen, damit wir zu Maddi gehen können...es war doch so bitter
kalt dort...
..ich wäre am liebsten nie
wieder gegangen..
..mein Gott, warum musste
das denn bloss alles sein?????..
Waaarum??????
Donnerstag Abend hatte dann
das Beerdigunsinstitut endlich mal ein paar Bäumchen aufstellen lassen, bis kurz
vor der Beerdigung lag sie in diesem hässlichen, kahlen Raum. Es waren noch
einige Sachen wo sie uns haben auflaufen lassen, unter anderem haben sie es
versäumt uns ein Kondolenzbuch auslegen zu lassen oder uns daran zu erinnern,ich
hätte auch selber eins gekauft! Wir wissen bis heute nicht
wer unserer Joanna die letzte Ehre erwiesen hat, ich kann mich kaum an etwas
erinnern nur, dass die Sonne plötzlich schien und der ganze Friedhof voll mit
Menschen war.
...da muss ich mir
anhören:
*..aber Frau Werner, da
hätten Sie aber etwas sagen müssen..!*
Woher soll ich das
wissen?..es war und ich hoffe es bleibt auch so, meine erste Beerdigung um die
ich mich kümmern musste!
Die machen doch nichts
anderes, woher sollen wir denn das alles wissen!
..dann war ein sehr schönes
rosa Gesteck auf dem Sarg, mit den passenden Schleifen, normalerweise wird
gefragt, was damit geschieht, nein uns natürlich nicht..als ich sie fragte wo es
ist bekam ich mal wieder zu hören:
*...aber Frau Werner, das
hätten Sie uns aber sagen müssen!*
Dieser Satz kam
ständig..wofür bitte schön hatte ich sie denn beauftragt?...um mir solche
Sprüche anzuhören?
Da lege ich die Blumen doch
lieber beiseite, reinlegen kann man sie auf Wunsch immer noch, aber doch nicht
mehr rausholen!
Bin dann am 20.12. in die
Floralwerkstatt und habe neue Schleifen drucken lassen, die ich dann am 22.12.
abholen konnte. Da fehlte dann der Spruch auf der anderen Seite, daraufhin wurde
die 3. Schleife in Auftrag gegeben. Allerdings war das in dem zusätzlichen
Weihnachtsstress in der Firma passiert, die von dem Blumengeschäft beauftragt
wurde! Da habe ich wirklich noch Verständnis für, zumal sie sich 1000 x
entschuldigt haben und sie konnten da nicht mal etwas für!
Schuld ist nur der
Beerdigungsverein, ich habe noch nie jemanden mit bedruckten Schleifen über den
Friedhof laufen sehen und schon gar nicht 2 x! Es war 2 Tage vor hl. Abend sehr
viel Betrieb auf dem Friedhof, ich habe gemerkt wie erstaunt die Leute geschaut
haben!
...unglaublich so etwas...
Dann hatte ich auch noch die
Frechheit besessen nach den Kleidungsstücken meiner Tochter zu fragen, na da
konnte ich mir ja wieder was anhören, als ich zum 2. Mal deswegen anrief. Beim
1.Mal sagten sie, dass sie die Sachen nicht hätten. Ich habe dann bei der
Gerichtsmedizin angerufen, die meinten, dass sie Joanna die Sachen inkl. Schuhe
*beigelegt* haben. Habe dann das Beerdigungsinstitut angerufen, dass Joanna von
Recklinghausen nach Henrichenburg angeholt hat. Da wurde Jo an Schumacher
*übergeben*! Dort erzählten sie mir, genau das, was ich schon vorher erfahren
habe! Demnach mussten die Sachen einfach bei Schumacher sein.
...eigentlich...
*..Frau Werner, aber das
hätten Sie uns aber sagen müssen. Wir mussten die Sachen zerschneiden, ausserdem
waren sie *dreckig* und überhaupt..nein, das hätten Sie aber wirklich sagen
müssen, die haben wir jetzt nicht mehr!*
..ich habe ganz tief Luft
geholt und einfach aufgelegt..
Meine Tochter wurde
obduziert, wenn jemand die Sachen zerschnitten hätte, wäre es dort passiert.
Ferner war da nichts *dreckig* und selbst wenn, was hat sie das zu
interessieren? Das war das letzte was Joanna an hatte, egal was es war und in
welchem Zustand, ich hätte es haben wollen, dran riechen, es in den Arm nehmen
wollen!!! Eine Unverschämtheit ohne gleichen...und wo sind die Schuhe?...auch
zerschnitten?...auch dreckig? Erst hatte ich ernsthaft in Erwägung gezogen,
einen Anwalt hinzuzuziehen, hatte dann aber die Kraft dazu nicht mehr!
Da war dann der Punkt
gekommen, wo ich dachte, so, jetzt geht gleich die Tür auf, es kommt jemand mit
der Kamera rein und meine Joanna hinterher und sie sagen:
*..versteckte
Kamera*..wir wollten mal schauen, was Deine Nerven so aushalten!..*
..leider war es nicht so, es
war nach wie vor alles unsagbar traurig und schrecklich..
..und es hat sich bis heute
nichts daran geändert, ganz im Gegenteil, es ist jetzt 4 Monate und 10 Tage her
und es tut nach wie vor gleichmässig weh..