In Memory

of

Joanna Werner

 

*10.01.1988 ~ +13.12.2008

 

 

Im nachhinein sind noch zu dem enormen Schock, den wir alle erlitten, als wir erfahren mussten, dass Joanna nicht mehr lebt, noch so unglaubliche Sachen geschehen, die unseres Erachtens nicht hätten passieren dürfen!!!!

 

I.

Polizei

Nicole hat, als sie Joanna morgens gg. 8.30-9.00 Uhr fand, die Polizei und Krankenwagen angerufen, die auch recht schnell und zahlreich erschienen. Sie versuchte in der ganzen Aufregung meine Tochter Madeleine zu erreichen, die das Telefon aber nicht hörte, dann nahmen die Sanitäter ihr das Handy weg, sie konnte mich nicht mehr anrufen.

Es muss bei Joanna in der Wohnung ein heilloses Durcheinander gewesen sein, zumal Joannas Hund noch über ihr stand um sie zu beschützen.

Niemand von den ganzen Anwesenden kam auf die Idee mich als ihre Mutter anzurufen, ich wohne zu Fuss 7-8 Minuten von meiner Tochter entfernt.

..ich wäre barfuss hingelaufen, aber es kam kein Anruf, es kam niemand vorbei um mich zu informieren, geschweige denn abzuholen, um Joanna zu sehen.

...als ich im Sommer meiner Tochter beim Umzug half und die Oberteile ihrer Küche in die neue Wohnung fuhr, bin ich bei *fast* rot mit 5 Stundenkilometer über die Ampel getuckert.  Leider war ich durch die Sonne geblendet und leider war direkt die Polizei hinter mir, innerhalb von 2 Sekunden wussten sie alles von mir und in dem *Fall* kommt niemand auf die Idee mir Bescheid zu sagen?!!!...unglaublich!!!

Sie kümmerten sich zwar Gott sei Dank um Nicole, die völlig unter Schock stand und brachten sie ins Krankenhaus, aber niemand von uns erfuhr etwas. Ich weiss bis heute nicht genau, wie lange sich die Leute überhaupt dort aufhielten.

Ich war alleine zu Hause, bin gg. 9 Uhr aufgestanden, habe mich fertig gemacht, weil ich mittags zu meiner Freundin kommen sollte, um ihr bei ihrer Weihnachtsfeier zu helfen.

Um 12 Uhr hörte ich mir noch Joannas Lied an, das sie 2 Tage vorher bei Myspace hochgeladen hatte, ohne zu wissen, dass mein Kind nicht mehr am Leben ist..2 x habe ich es mir angehört, ich fand es super -so wie Joanna es schon vermutet hatte- und wollte es ihr sagen, aber das Handy war aus!

Dann bin ich danach 2 x zu Madeleine gefahren und immer an Joannas Strasse vorbei, ich darf da nicht weiter drüber nachdenken, um dann gg. 13.30 Uhr zu meiner Freundin zu fahren.

Um 14 Uhr schellten 2 zivile Polizisten, eine weibliche Polizistin war auch dabei, bei uns an, Laureen war zu Hause und lernte für ihre mündliche Prüfung am 15.12.2008, stellten sich vor, dass sie von der Kripo sind  und sagten:

*..wo ist denn Bettina Werner?*

Laureen meinte:

*..sie ist unterwegs*

Dann wollten sie wissen, wer sie denn ist und sie meinte:

*..ich bin Laureen Werner, die Tochter von Bettina Werner..*

Sie fragten, ob sie mal reinkommen dürften .. traten einen Schritt ins Esszimmer um dann zu sagen:

*..kennen Sie Joanna Werner?*

 Laureen fragte:

*..ja, das ist meine Schwester, wieso?!*

Daraufhin sagte einer von den Beiden:

*..sie ist heute Nacht gestorben!*

Fertig!!!!!

Das ist einfach ungeheuerlich! Eine solche krasse Nachricht so unsensibel rauszuhauen, das ist einfach unmenschlich!

Meine Tochter brach auf dem Boden zusammen und schrie nur, dann  versuchten sie sie aufzurichten, was nicht möglich war, da Laureen völlig am Ende war!

Irgendwann schrie Laureen, was denn passiert sei, kann sich aber nicht mehr erinnern, was bzw. ob sie dazu überhaupt etwas gesagt haben.

Nach ein paar Minuten fragten sie, ob jemand in der Nähe sei, der kommen könnte und riefen Patrick, ihren Freund an, der gleich um die Ecke wohnt, dann gingen sie wieder!

Der ganze Spuk dauerte ca. 15-20 Minuten, hatten aber noch eine Telefonnummer hinterlassen und gesagt:

*..rufen Sie Ihre Mutter besser nicht an, sonst passiert noch etwas!*

..na toll, das ist ja wohl selbstverständlich, selbst in der Situation in der Laureen sich gerade befand.

Übrigens hat es über *5* Stunden gedauert, bis sich jemand bequemt hat mich bzw. uns zu informieren!

Zu dem Zeitpunkt sprach es sich schon in Castrop rum und ich war noch einkaufen, nicht auszudenken, wenn mich jemand drauf angesprochen hätte, was gut hätte passieren können! Meine Kinder waren ja Gott sei Dank zu Hause!

Es war dann, als ich es durch meine Familie erfahren habe, sage und schreibe 15.45 Uhr, 7 Stunden später!!!

..und das, obwohl ich 300 m von Joanna entfernt wohne!

..unglaublich finde ich das!

Komisch, im Fernsehen sieht man solche speziellen Situationen anders und man hört es auch anders!

Es war übrigens die *Dame*, mit der ich einige Zeit später telefonierte und die dann langsam ärgerlich wurde, dass ich zu *blöd* war zu kapieren, dass meine Tochter nicht mehr lebt und ich auch noch ständig gefragt hatte, wo ich sie sehen kann!! Welch eine Frechheit von mir!!!

..und das alles auf einem Samstag, da kann man schon mal zickig werden ..ich sehe es ja jetzt auch ein, wie konnte ich nur...:o(

II.

Beerdigungsinstitut

Schumacher, Dortmund

Montag, am 15.12.2008 musste ich mich an das Amt wenden, da ich nicht in der Lage bin, eine Beerdigung zu finanzieren und Joanna hat eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht und der Kurs wurde vom Arbeitsamt bezahlt!

Ich sollte ein Institut aussuchen, wir haben einfach nur ins Telefonbuch geschaut, der 1. ging nicht dran und das nächste Beerdigungsinstitut war die Firma Schumacher.

Da nahm ich doch tatsächlich an, vertrauensseelig wie ich bin, dass gerade so ein Unternehmen seriös ist... tja, das war der Anfang vom Ende.. im nachhinein gab es niemanden, der nicht mit dem Kopf geschüttelt hat!

..unglaublich..

Die junge Frau die erschien war sehr nett und bot uns an, den Sarg, der Joanna zustand, durch einen teureren zu ersetzen, in Anbetracht der gegebenen Umstände, dass sie auch noch so jung war und so weiter, das war wirklich ein feiner Zug von ihr!

Danke an dieser Stelle!

Ich wollte, dass Joanna komplett mit ihren Sachen bekleidet wurde, die sie gerne trug und ich bat darum, dass sie ihr auch Schuhe anziehen und dass sie geschminkt wird, so wie sie es immer gemacht hat. Obwohl ich ein Bild ausgedruckt hatte, klappte es mit den Augenbrauen doch nicht, das war zwar sehr speziell bei ihr, aber wir haben es ihr genau erklärt, dass die Augenbrauen mit Eyeliner nachgezogen werden. Darauf legte Joanna immer sehr viel Wert und es war uns so wichtig! Sie wollte es persönlich machen, aber naja...

 Ich habe alles eingepackt, sogar Make-up und ihr Parfüm. Ein Kopfkissen mit einem rosa Bezug habe ich gekauft, bloss nichts steifes, plüschiges! ...mein Kind soll doch gut gebettet schlafen...und auch jetzt noch schön aussehen...

Das war am Montag, Dienstag sollte Joanna von der Gerichtsmedizin *nach Hause* kommen..es passierte nichts. Mittwoch bekamen wir einen Anruf, dass der Haustürschlüssel da ist und es kam jemand vom Beerdigungsinstitut und brachte ihn. Wir sind direkt alle, alle waren Konstantin, Madeleine, Laureen und Gaby, die uns die ganze Zeit über zur Seite stand und die Frau meines Cousins Thomas ist, in die versiegelte Wohnung von Joanna gefahren. Mein Herz schlug wie verrückt, als wir dort eintraten, der PC lief noch, das letzte ICQ-Fenster und das vom MSN war noch auf und um 5.05 Uhr war sie das letzte Mal in *mein Castrop*. Dann fing ich an zu suchen und alle mit, nach Unterwäsche, Shirt und nach ihrer pinkfarbenden Lederjacke, die ich ihr im Sommer bei Frankies-Moden gekauft habe.

Ich weiss noch ganz genau, als ich Joanna anrief und sagte:

*Joanna, hier hängt eine voll geile, pinke Lederjacke, es ist die einzige Jacke und sie wartet auf Dich!*

Sie meinte:

*..meinste Mo?..ob die mir überhaupt passt?*

*Na klar, die passt Dir und Du wirst toll darin aussehen, glaube mir, das ist *Deine*!!!!

..und es war ihre, sie sah einfach toll darin aus ...ja, selbst jetzt noch...

Wir haben dann noch von ihrer Wohnung aus wieder das Institut angerufen, dass die Sachen wieder schnell abgeholt werden sollten, damit wir endlich Joanna sehen durften...

Es war Mittwoch, Freitag habe ich meine Tochter das letzte Mal gesehen, Samstag ist sie gestorben, Freitag sollte sie morgens um 9.00 Uhr beerdigt werden und ich bzw. wir alle hatten sie noch nicht mal sehen können...meine Nerven lagen blank, komplett blank..

Da geht endlich um 15.12 Uhr das Telefon.

*Frau Werner, Ihre Tochter ist jetzt auf dem Waldfriedhof angekommen!*

Ich sagte:

*Endlich!!!!!*

Dann kam es:

*Frau Werner, Sie können ja dann Ihre Tochter morgen früh ab 8.00 Uhr sehen!*

Ich dachte ich höre nicht richtig..ich denke so, was erzählt die überhaupt für eine Sch*****??!!!

Ich sagte:

*Das ist jetzt nicht Ihr Ernst? Das ertrage ich nicht mehr, keine Stunde mehr, ich will jetzt verdammt endlich mein Kind sehen, sonst flippe ich aus!!!!!*

*...aber Frau Werner, das geht jetzt aber nicht, der Friedhof hat jetzt geschlossen!*

Daraufhin bin ich ausgeflippt, aber wie, die Kinder konnten sich nicht erinnern mich jemals so schreien gehört zu haben:

*Mir ist es total egal, wie Sie es anstellen, aber ich will da sofort hin und wenn ich die Tür aufbreche. Wissen Sie überhaupt annähernd was Sie uns da zumuten, ich habe nur noch auf diesen Tag hin meine Nerven zusammengehalten und dann sagen Sie mir so etwas??!*

*Frau Werner, was soll ich denn jetzt machen, ich habe doch keine Privatnummern und bla, bla, bla...!*

Ich war am ganzen Körper am zittern und habe rumgebrüllt, die Kinder dachten ich bekomme jeden Moment einen Herzanfall, dann nahm Laureen den Hörer und wollte etwas sagen, da habe ich aufgelegt! Die Mädchen laut am weinen und als ich in die Küche ging sass da Charleen, ausgerechnet jetzt bekam sie das alles mit, sie schaute ganz verstört und ich nahm sie in den Arm. Da hörte ich wie mein Handy schellte, Gaby ging dran, ich hörte nur, nein und das Beerdigungsinstitut hat angerufen, ..und es geht nicht...dann

*..waaaaaas???!!!*...und

*..wir kommen!!!*..

Sie rief ganz laut, los, alle raus, Tante Sabine hat angerufen, sie gerade auf dem Friedhof, die Tür ist auf!

Also was dann kam, war unglaublich!

Wir alle, samt Hund aus dem Haus, in die Autos und los. Der Friedhof ist mobil in 2-3 Minuten zu erreichen.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich die Tür aufriss und losrannte, als ich durch den Eingang rannte, sah ich links ein paar Leute gehen oder stehen, es waren meine *Leute*, Tanten, Onkel und meine Sabine, ich habe sie nicht *erkannt*..bog direkt rechts ab und jemand rief:

*Bettina, Du musst geradeaus zur Halle!*

Da bin ich zurück und rannte los, aber wie, Konstantin wurde von Sabine oder Gaby hinterhergeschickt um mich aufzuhalten, aber ich zog den grossen Kerl hinter mir her, es gab kein halten.

Gaby lief mit den Kindern hinterher und sie kamen kaum mit, als ich die Tür aufbekam, wollte mich irgendwer in den Arm nehmen, aber ich sagte nur, dass ich jetzt unbedingt zu Joanna muss und lief weiter. Jemand rief, dass es Tür *4* wäre und ich stand davor!

Mittlerweile waren die Mädchen auch da, wir standen  vor der Tür, ein Fenster von ca. 40x60 cm und es war ein kleiner Vorhang davor und rechts ein Lichtschalter.

Wir starrten auf den Vorhang, ich machte das Licht innen an und zog klopfenden Herzens ganz vorsichtig den Vorhang zur Seite, ganz langsam, dann sah ich Joannas linken Arm und machte den Vorhang ganz auf...

...was dann geschah, war so schrecklich..wir haben alle geschrieen, sie konnten uns bis zum Eingang des Friedhofs hören...Laureen rutschte an der Tür runter, ich trat noch auf sie, Madeleine zitterte am ganzen Körper, als ob sie in Strom gefasst hatte, ich wusste nicht wie ich sie halten sollte, ich schrie immer, Konstantin hielt sich den Kopf und schwankte immer hin und her...dann wollte ich Laureen hochheben, ich schaffte es nicht...gab Gaby mein Handy und rief:

*..rufe bitte Sabine an, ich brauche sie hier, das schaffen wir nicht..!!*

..wir haben vor diese elendige Scheibe getrommelt, wo Joanna lag, mein Kind lag in einem Sarg, unvorstellbar schrecklich....ich wollte es die ganze Zeit nicht wahr haben und dann dachte ich, ich werde verrückt...

..sehe wie meine anderen Kinder um mich herum zusammenbrechen...ich kann es nicht in Worte fassen...

...in dem ganzen Tumult sehe ich aus den Augenwinkeln Charleen ca. 3 m seitlich stehen, wie sie hin und her schaukelt, sich die Augen und Ohren zu hält und immer was sagt..

..bin zu ihr hin und höre, wie sie immer sagt:

*..sie sollen aufhören so zu schreien, sie sollen aufhören so zu schreien..!!!*

*Charleen, das können sie jetzt nicht, sie sind so traurig!!!!*

Ich streichelte sie immer und sagte dann zu ihr:

*..komm, wir gehen jetzt zu Joanna, komm..*

Sie wollte partout nicht, ich zog sie vorsichtig hinter mir her, weil ich genau wusste warum sie nicht wollte. Es war erst totale Stille, bis ich den Vorhang aufzog, da wurde es unvorstellbar laut. Sie konnte nichts sehen und dachte, ihre Geschwister schreien so sehr, weil Joanna ganz furchtbar aussieht und nicht, dass es der immense Schmerz war der zum Ausdruck kam..

Es war ja auch Zufall, dass sie überhaupt da war, sie wollte wohl gerne Abschied von Joanna nehmen, ich sagte ihr vorher allerdings, dass erst wir gucken gehen und ich danach entscheide was geschieht. Durch das ganze Durcheinander war sie dann doch dabei.

Habe ganz ruhig auf sie eingeredet und irgendwann standen wir vor der Tür und ich sagte ihr:

*Charleenchen, Du kannst Deine Schwester wirklich anschauen, vertraue mir, sie sieht aus wie ein Engel..*

Heute noch sehe ich ihr kleines Gesicht, wie sie die Finger in die Augen drückte, ich hob sie ein wenig an und dann lockerte sie die Hände und ich konnte sehen, wie sie ganz langsam entspannte und sagte:

*Joanna, Du siehst wirklich aus wie ein Engel. Mami, du hattest Recht!* 

Mein Gott, was tat mir das leid, aber hätte ich es nicht so gemacht, wäre die Kleine ihres Lebens überhaupt nicht mehr froh geworden, das wäre noch eine zusätzliche grosse Belastung geworden, noch zu dem ganzen Elend.

Das nur, weil ich ausgerechnet so ein inkompetentes Beerdigungsinstitut ausgewählt habe, die nicht mal die Öffnungszeiten wussten!

Gaby nahm sich ihrer an und ging mit ihr raus, mittlerweile war Sabine zurück und wir bekamen Laureen hoch, setzten sie auf die Bank, wo sie sich anschliessend erbrach, Konstantin drückte ich Madeleine in den Arm und ich stand vor der Scheibe und schrie nach Joanna...

...sie lag da, wie ein Engel, als ob sie schlief, so hübsch, mit der pinken Lederjacke, dem schwarzen Kapuzenshirt mit pinken, kleinem Muster, ihr Piercing in der Unterlippe, geschminkt und die Hände mit den frisch gemachten Fingernägeln in pink gefalten..sie lag da einfach und ich wäre auf der Stelle gestorben, damit sie aufstehen kann und mit ihren Geschwistern nach Hause gehen kann...aber ich konnte nichts machen..

..ich dachte ich gehe kaputt, habe die Kinder hinter mir schreien und wimmern hören und habe mit Gott gehadert, warum er mir mein Kind, meinen Kindern ihre Schwester genommen, warum hat er nicht aufgepasst auf Joanna?...warum hat er zugelassen, dass ihr Herz aufgehört hat zu schlagen?..einfach so?....warum müssen meine Kinder, meine Eltern, Sabine, Gaby und alle anderen so sehr leiden, warum???!!!!... 

Irgendwann mussten wir wirklich da raus, es war schon 16 Uhr durch, daran kann ich mich kaum noch erinnern, nur dass ich sagte:

*..jetzt gehen wir doch ohne Joanna nach Hause..!*

..und da kam Charleen auf mich zu, drückte auf meine Brust und meinte:

*..aber Mami, Joanna ist doch da, ganz tief in Deinem Herzen!*

Mein Gott, die kleine Maus...

Gegen 17 Uhr rief das Institut nochmals an und sagte, dass sie mir ab 18.15 Uhr die Tür auf machen, damit ich zu Joanna rein könnte, das war mein grösster Wunsch! Habe meine Eltern darüber informiert, damit auch sie Abschied nehmen konnten, weil meine Mutti 3 Tage vorher ihre ambulante Reha anfing und erst spät zurück war!

Konstantin und Madeleine wollten nicht mehr mit, Laureen begleitete mich, ebenfalls Sabine, Gaby und Celina!

Wir haben Engel eingepackt und etwas draufgeschrieben, damit Joanna nicht alleine ist. Ich bin dann mit meiner kleinen Tüte rein zu ihr ganz langsam, dann stand ich neben ihr und habe ihre Hand gestreichelt, ganz vorsichtig, sie war ganz kalt, wie immer.. ich habe sie geküsst, dann ihr Gesicht gestreichelt und habe neben ihr gekniet und meinen Kopf auf ihren Arm gelegt und ich konnte und kann es bis heute nicht verstehen, was los ist..

..habe ihre Haare gestreichelt, so weich waren sie, habe den kleinen Reissverschluss zugemacht, die Rose von Mutti unter ihre Hände geschoben, damit ihre schönen, schlanken Hände zu sehen sind..sie geküsst und das Parfüm von *Christina Aguilera* gerochen..habe mit ihr geredet und ihr erzählt was ich mitgebracht habe und sie gebeten aufzustehen, damit wir zu Maddi gehen können...es war doch so bitter kalt dort...

..ich wäre am liebsten nie wieder gegangen..

..mein Gott, warum musste das denn bloss alles sein?????..

Waaarum??????

Donnerstag Abend hatte dann das Beerdigunsinstitut endlich mal ein paar Bäumchen aufstellen lassen, bis kurz vor der Beerdigung lag sie in diesem hässlichen, kahlen Raum. Es waren noch einige Sachen wo sie uns haben auflaufen lassen, unter anderem haben sie es versäumt uns ein Kondolenzbuch auslegen zu lassen oder uns daran zu erinnern,ich hätte auch selber eins gekauft! Wir wissen bis heute nicht wer unserer Joanna die letzte Ehre erwiesen hat, ich kann mich kaum an etwas erinnern nur, dass die Sonne plötzlich schien und der ganze Friedhof voll mit Menschen war.

 ...da muss ich mir anhören:

*..aber Frau Werner, da hätten Sie aber etwas sagen müssen..!*

Woher soll ich das wissen?..es war und ich hoffe es bleibt auch so, meine erste Beerdigung um die ich mich kümmern musste!

Die machen doch nichts anderes, woher sollen wir denn das alles wissen!

..dann war ein sehr schönes rosa Gesteck auf dem Sarg, mit den passenden Schleifen, normalerweise wird gefragt, was damit geschieht, nein uns natürlich nicht..als ich sie fragte wo es ist bekam ich mal wieder zu hören:

*...aber Frau Werner, das hätten Sie uns aber sagen müssen!*

Dieser Satz kam ständig..wofür bitte schön hatte ich sie denn beauftragt?...um mir solche Sprüche anzuhören?

Da lege ich die Blumen doch lieber beiseite, reinlegen kann man sie auf Wunsch immer noch, aber doch nicht mehr rausholen!

Bin dann am 20.12. in die Floralwerkstatt und habe neue Schleifen drucken lassen, die ich dann am 22.12. abholen konnte. Da fehlte dann der Spruch auf der anderen Seite, daraufhin wurde die 3. Schleife in Auftrag gegeben. Allerdings war das in dem zusätzlichen Weihnachtsstress in der Firma passiert, die von dem Blumengeschäft beauftragt wurde! Da habe ich wirklich noch Verständnis für, zumal sie sich 1000 x entschuldigt haben und sie konnten da nicht mal etwas für!

Schuld ist nur der Beerdigungsverein, ich habe noch nie jemanden mit bedruckten Schleifen über den Friedhof laufen sehen und schon gar nicht 2 x! Es war 2 Tage vor hl. Abend sehr viel Betrieb auf dem Friedhof, ich habe gemerkt wie erstaunt die Leute geschaut haben!

...unglaublich so etwas...

Dann hatte ich auch noch die Frechheit besessen nach den Kleidungsstücken meiner Tochter zu fragen, na da konnte ich mir ja wieder was anhören, als ich zum 2. Mal deswegen anrief. Beim 1.Mal sagten sie, dass sie die Sachen nicht hätten. Ich habe dann bei der Gerichtsmedizin angerufen, die meinten, dass sie Joanna die Sachen inkl. Schuhe *beigelegt* haben. Habe dann das Beerdigungsinstitut angerufen, dass Joanna von Recklinghausen nach Henrichenburg angeholt hat. Da wurde Jo an Schumacher *übergeben*! Dort erzählten sie mir, genau das, was ich schon vorher erfahren habe! Demnach mussten die Sachen einfach bei Schumacher sein.

...eigentlich...

*..Frau Werner, aber das hätten Sie uns aber sagen müssen. Wir mussten die Sachen zerschneiden, ausserdem waren sie *dreckig* und überhaupt..nein, das hätten Sie aber wirklich sagen müssen, die haben wir jetzt nicht mehr!*

..ich habe ganz tief Luft geholt und einfach aufgelegt..

Meine Tochter wurde obduziert, wenn jemand die Sachen zerschnitten hätte, wäre es dort passiert. Ferner war da nichts *dreckig* und selbst wenn, was hat sie das zu interessieren? Das war das letzte was Joanna an hatte, egal was es war und in welchem Zustand, ich hätte es haben wollen, dran riechen, es in den Arm nehmen wollen!!! Eine Unverschämtheit ohne gleichen...und wo sind die Schuhe?...auch zerschnitten?...auch dreckig? Erst hatte ich ernsthaft in Erwägung gezogen, einen Anwalt hinzuzuziehen, hatte dann aber die Kraft dazu nicht mehr!

Da war dann der Punkt gekommen, wo ich dachte, so, jetzt geht gleich die Tür auf, es kommt jemand mit der Kamera rein und meine Joanna hinterher und sie sagen:

 *..versteckte Kamera*..wir wollten mal schauen, was Deine Nerven so aushalten!..*

..leider war es nicht so, es war nach wie vor alles unsagbar traurig und schrecklich..

..und es hat sich bis heute nichts daran geändert, ganz im Gegenteil, es ist jetzt 4 Monate und 10 Tage her und es tut nach wie vor gleichmässig weh..

Joanna Du fehlst uns allen immer mehr..

 

 

 

 

 

 

 7.Mai 2009

 

  Copyright by Bettina Werner